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Angebot & Kalkulation

Handwerker-Angebot schreiben: Muster, Pflichtangaben und Kalkulations-Tipps

Ein professionelles Angebot ist mehr als eine Preisliste – es ist dein erster Eindruck beim Kunden und deine rechtliche Absicherung. Hier erfährst du, was Pflicht ist, wie du richtig kalkulierst ohne dich zu unterbieten, welche Struktur Vertrauen schafft und wie du mit gezieltem Nachfassen mehr Aufträge gewinnst.

Aktualisiert Juni 2026 7 Min. Lesezeit Redaktion Angebotsmanufaktur
Kurz & knapp

Ein Handwerker-Angebot muss Name und Anschrift beider Parteien, eine genaue Leistungsbeschreibung mit Mengen und Einheiten, Einzel- und Gesamtpreise (netto und brutto), den Umsatzsteuersatz, eine Angebotsnummer und eine Gültigkeitsfrist enthalten. Es ist rechtlich bindend, sobald der Kunde es annimmt.

Angebot vs. Kostenvoranschlag: Was ist der Unterschied?

Viele Handwerker verwenden beide Begriffe gleichbedeutend – dabei gibt es einen wichtigen rechtlichen Unterschied:

MerkmalAngebotKostenvoranschlag (KVA)
BindungswirkungBindend – du bist an den Preis gebunden, wenn der Kunde annimmtUnverbindlich – darf um bis zu 20 % überschritten werden (§ 650c BGB)
Rechtsbasis§ 145 BGB (Antrag auf Vertragsschluss)§ 650b/c BGB (Werkvertragsrecht)
GültigkeitsfristSelbst festgelegt – ohne Frist: angemessene ZeitKeine Preisbindung
EmpfehlungBei klarem Leistungsumfang – mehr ProfessionalitätBei schwer abschätzbarem Aufwand
Im Zweifel: Angebot mit Vorbehalt

Wenn der Umfang unsicher ist, schreibe ein Angebot mit dem Hinweis: "Dieses Angebot basiert auf dem beschriebenen Leistungsumfang. Änderungen durch Mehraufwand werden gesondert berechnet." Das schützt dich, ohne auf die Verbindlichkeit zu verzichten.

Was in jedes Handwerker-Angebot gehört

Ein rechtssicheres Angebot enthält diese Angaben – fehlen sie, kann der Auftrag im Streitfall schwierig werden:

  • Name und vollständige Anschrift deines Betriebs (ggf. Firmenbezeichnung, Rechtsform).
  • Name und Anschrift des Kunden (bei Unternehmen: Firma und Ansprechpartner).
  • Eindeutige Angebotsnummer und Angebotsdatum.
  • Gültigkeitsfrist: Bis wann kann der Kunde annehmen? (z. B. "Gültig bis xx.xx.xxxx")
  • Detaillierte Leistungsbeschreibung: was, wo, wann, in welcher Menge.
  • Positionen mit Menge, Einheit, Einzelpreis und Gesamtpreis.
  • Zwischensumme (netto), Umsatzsteuersatz und -betrag, Gesamtbetrag (brutto).
  • Zahlungsbedingungen: Fälligkeit, Skonto, Abschlagszahlungen.
  • Deine Steuernummer oder Umsatzsteuer-IdNr.
Optionale Positionen kenntlich machen

Wenn du Alternativen oder optionale Zusatzleistungen anbietest, markiere sie als "Option" oder "Alternativposition". Das macht das Angebot flexibler, ohne den Hauptpreis zu verwässern.

Richtig kalkulieren: Stundensatz, Material und Aufschlag

Der häufigste Fehler beim Angebot: zu niedrig kalkulieren. Wer seinen echten Stundensatz nicht kennt, unterschreibt sich in die roten Zahlen. So geht eine einfache Kalkulation:

45–120 €
Stundensatz 2026
je nach Gewerk und Region (netto)
15–30 %
Materialaufschlag
für Handhabung, Lagerung, Schwund
1.400–1.600 h
Produktive Stunden/Jahr
Basis für Stundensatz-Kalkulation
Draufsicht auf Notizblock mit handgeschriebener Kalkulation, Taschenrechner und Münzen auf Holztisch
  1. 1

    Stundensatz berechnen

    Jahreskosten (Lohn, Sozialabgaben, Versicherungen, Fahrzeug, Werkzeug, Miete, Verwaltung) ÷ produktive Jahresstunden (ca. 1.400–1.600 h für Solo-Betriebe) + Gewinnaufschlag (mind. 10–15 %) = Mindeststundensatz.

  2. 2

    Materialkosten berechnen

    Einkaufspreis + Materialaufschlag (15–30 % für Handhabung, Lagerung, Schwund) = Angebotspreis für Material.

  3. 3

    Stundenanzahl schätzen

    Realistisch schätzen, nicht optimistisch: lieber 10 % Puffer einrechnen als nachher nachfordern müssen.

  4. 4

    Gesamtbetrag prüfen

    Stunden × Stundensatz + Materialkosten + Nebenkosten (Anfahrt, Entsorgung) = Angebotssumme netto.

Stundensatz-Richtwerte 2026

Handwerker in Deutschland berechnen je nach Gewerk und Region 45–120 € pro Stunde (netto). Vergleiche dich mit Branchenwerten deiner Handwerkskammer – zu niedrige Stundensätze signalisieren auch Kunden mangelnde Qualität.

Professioneller Aufbau: So sieht ein überzeugendes Angebot aus

Ein gut strukturiertes Angebot unterscheidet dich von Konkurrenten, die einfach eine Zahl hinschreiben. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  • Deckblatt / Kopfzeile: Logo, Betriebsname, Kundendaten, Angebotsnummer, Datum.
  • Betreff-Zeile: Kurze Projektbeschreibung, z. B. "Angebot Badezimmer-Renovierung Musterstraße 1".
  • Anschreiben (1–3 Sätze): Bezug auf das Gespräch, kurzer Überblick.
  • Positionsliste: Übersichtlich gegliedert nach Gewerken oder Räumen – Menge, Einheit, Einzel- und Gesamtpreis.
  • Optionale Positionen: Separat ausgewiesen, mit kurzer Empfehlung.
  • Preis-Zusammenfassung: Netto-Summe, MwSt., Brutto-Gesamtpreis.
  • Zahlungsbedingungen und Gültigkeitsfrist.
  • Kontakt für Rückfragen.

Annahmefristen und Bindungswirkung

Ein Angebot ist ein Vertragsangebot nach § 145 BGB: Du bist daran gebunden, sobald der Kunde es innerhalb der Gültigkeitsfrist annimmt. Deshalb:

  • Setze immer eine Gültigkeitsfrist (z. B. 30 Tage) – ohne Frist bist du "angemessene Zeit" gebunden.
  • Aktualisiere Angebote bei steigenden Materialpreisen: Ein altes Angebot ohne Frist kann dich zu alten Preisen verpflichten.
  • Auftragserteilung per E-Mail oder mündlich ist rechtlich wirksam – schriftliche Bestätigung vereinfacht die Beweislage.
  • Änderungen nach Auftragserteilung (Nachtrag) müssen als Zusatzvereinbarung schriftlich festgehalten werden.

Nachfassen: Wann und wie du den Abschluss holst

Die meisten Aufträge gehen nicht verloren, weil das Angebot schlecht war – sondern weil niemand nachgefragt hat. Dabei ist Nachfassen keine Aufdringlichkeit, sondern Kundenservice.

  1. 1

    Nach 3–5 Werktagen

    Kurze Rückfrage: "Ist das Angebot angekommen? Gibt es Fragen?" – per Telefon oder kurzer E-Mail.

  2. 2

    Zur Hälfte der Gültigkeitsfrist

    Erinnerung mit konkretem Nutzen: "Das Angebot läuft noch X Tage. Soll ich einen Starttermin reservieren?"

  3. 3

    Kurz vor Ablauf

    Letzte Erinnerung: "Ihr Angebot läuft übermorgen ab. Falls Sie noch Fragen haben – ich bin gern erreichbar."

Nachfassen im Autopilot

Wer viele offene Angebote hat, verliert den Überblick. Die Angebotsmanufaktur erinnert automatisch an offene Angebote – du folgst nach, ohne nachzudenken.

Häufige Fragen

Ein Angebot ist rechtlich bindend: Du bist an den Preis gebunden, wenn der Kunde zustimmt (§ 145 BGB). Ein Kostenvoranschlag ist unverbindlich und darf nach BGB um bis zu 20 % überschritten werden (§ 650c BGB). Für klare Leistungsumfänge empfiehlt sich immer ein verbindliches Angebot.

Angebot in Minuten – Auftrag am selben Tag

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